Im Herbst 2018 haben wir in zwei sechsten Klassen an der Albert Gutzmann Schule in Berlin Wedding den Unterricht für jeweils acht Doppelstunden gestaltet. Im Gegensatz zu unseren bisherigen Workshops, bei denen es sich jeweils um Einzeltermine handelte, haben wir uns dieses Mal besonders gefreut, die Jugendlichen über einige Wochen hinweg im Umgang mit Smartphones und sozialen Medien begleiten und beraten zu dürfen.

Zum Abschluss wollten wir das Projekt Revue passieren lassen und zurückblicken, welche Themen wir eigentlich in der Zeit behandelt haben und was die TeilnehmerInnen für sich mitgenommen haben. Dafür haben wir den TeilnehmerInnen einen Fragebogen ausgehändigt, um ihr Feedback zu sammeln. Ein paar Eindrücke davon möchten wir teilen.

Das Internet

In der ersten Einheit haben wir uns gemeinsam erarbeitet, wie das Internet grundlegend funktioniert. Denn das Wissen, wie Daten bei unseren alltäglichen Aktivitäten durch das Netz fließen, ist zentral für zahlreiche mit dem Internet verbundenen Themen wie beispielsweise Datenschutz. So lernten die Teilnehmenden, was ein Server ist und dass ihre Daten im Netz meist über zentrale Server geleitet werden. Ein Teilnehmer beschreibt einen der Lernerfolge der Einheit:

Wenn wir Nachrichten senden, wird die Nachricht erst zu unserem Internetanbieter verschickt, er wiederum verschickt es zu WhatsApp. WhatsApp kopiert die Nachricht, um diese zum Empfänger weiterzusenden.“

Privatsphäre und Datenschutz waren zentrale Themen, die sich kontinuierlich durch die acht Lerneinheiten zogen. Eine der wichtigsten Lehren rund um das Internet lautet bekanntlich: „Wenn man für einen Dienst nichts bezahlt, ist man selbst das Produkt“. Deshalb ist es nicht nur wichtig, das Geschäftsmodell verstanden zu haben. Gemeinsam haben wir die Privatsphäreeinstellungen auf den Smartphones der SchülerInnen angepasst, damit Anbieter von Apps nicht noch mehr Daten über ihre Nutzer sammeln können, die zum eigentlichen Betrieb der App vielleicht gar nicht benötigt werden. Denn

Ich habe auch gelernt, dass wenn ich eine kostenlose App installiere, dass die App auf meine Daten zugreifen kann“.

Natürlich macht es keinen Spaß, sich nur über die Gefahren und rund um das Internet zu beschäftigen. Dass WhatsApp unter Gesichtspunkten des Datenschutzes problematisch ist, haben alle Jugendlichen verstanden. Doch wie soll man damit umgehen, wenn es gleichzeitig die wichtigste App in der Klassengemeinschaft ist? Verzichten möchte niemand. Zum Glück gibt es für die meisten Apps auch Alternativen – wie beispielsweise den kostenlosen Messenger Signal (https://de.wikipedia.org/wiki/Signal_(Messenger)), der nahezu genauso wie WhatsApp funktioniert, dessen Geschäftsmodell aber nicht auf dem Sammeln von Nutzerdaten basiert. Deshalb haben wir einen LTE-Router in der Klasse aufgestellt, damit sich die Jugendlichen mit ihren mitgebrachten Smartphones verbinden konnten. Dann wurde Signal installiert und gemeinsam in der Klasse ausprobiert. Die Teilnehmer waren begeistert, ihre Smartphones endlich einmal im Unterricht einsetzen zu dürfen.

Was haben die TeilnehmerInnen mitgenommen?

In der Schule lernt man viel – doch am Ende behält man naturgemäß nur eine Teilmenge davon. Deshalb hat uns die Frage interessiert, inwiefern die Teilnehmer am Smartphone und im Netz ihr bisheriges Verhalten geändert haben. Antworten waren beispielsweise:

Ja! Ich habe das Spielen im Internet reduziert und lade mir nicht mehr Apps herunter. In Zukunft passe ich auch auf, wenn ich mir was installieren will und lese, was Firmen mit meinen Daten machen.“

Ich poste jetzt nicht mehr Sachen von mir. “

Ich lese mir durch, welche Daten eine App sammelt, bevor ich sie lade.“

Mein Passwort ist jetzt länger und besteht nicht mehr aus einem Wort“

Nachdem wir uns einige Einheiten lang über Datenschutz und Privatsphäre im Internet unterhalten hatten, wollten die TeilnehmerInnen nicht einmal mehr ihren Namen auf dem von uns ausgeteilten Frageboten angegeben und ließen das Feld entsprechend frei.

Fazit

Weil das Projekt so erfolgreich war, wiederholen wir es direkt: in diesem Frühjahr – deshalb arbeiten wir derzeit an den Projektthemen mit den insgesamt vier fünften Klassen der Schule. Weitere Berichte folgen.