Ein Thema, von dem leider viele Heranwachsende berichten können, ist Cyber-Mobbing. Um so wichtiger ist es, das Thema präventiv im Unterricht zu behandeln und sowohl betroffenen Schüler*innen als auch unbeteiligten Dritten Handlungsempfehlungen zu geben. Unseren Workshop zum Thema möchten wir heute dokumentieren und die Teilnehmer*innen selbst zu Wort kommen lassen.

Cyber-Mobbing ist Mobbing im Internet. Soviel war den Jugendlichen klar. Aber wo liegen die Unterschiede zu anderen Formen des Mobbing? Zunächst einmal ist Mobbing immer ein soziales Problem, durch die Technik wird es lediglich weiter verstärkt. Wer in der Schule gemobbt wird, kann sich dem Mobbing nicht mehr örtlich entziehen, weil das Internet allgegenwärtig ist und über die Schulgrenzen hinausgeht. Außerdem vergisst das Netz bekanntlich nichts. Verletzende Inhalte im Netz bleiben wahrscheinlich für immer erhalten und lassen sich nicht einfach durch ein klärendes Gespräch wieder entfernen. Deshalb sollte es erst gar nicht so weit kommen.

Folgenden Text haben wir den 5. Klässler*innen der Albert Gutzmann Schule in Berlin Wedding zur Verfügung gestellt und sie gebeten, sich anhand des Beispiels mit verschiedenen Fragen auseinanderzusetzen.

„Stefan wird von einem Klassenkameraden in eine „Anti-Tom-Gruppe“ eingeladen. In der Gruppe wird über Tom gelästert und es werden Bilder und Videos geteilt, die Tom bloßstellen.“ (Quelle Klicksafe)

Im Gespräch in der Klasse bestätigten uns die Teilnehmer*innen, dass sie das Szenario für realistisch halten. Also haben wir sie gebeten, sich an diesem Beispiel mit drei Fragen auseinanderzusetzen. Dabei sollte überlegt werden, was andere motiviert, solche Gruppen zu betreiben, was Cyber-Mobbing bei den Opfern bewirkt und natürlich auch, wie man einen solchen Konflikt lösen kann. Einige Antworten der Klasse zitieren wir im Folgenden.

1. Warum betreiben manche Schüler*innen eine „Anti-Tom Gruppe“?

„Weil sie Tom nicht mögen und damit er sich schlecht fühlt. Sie trauen sich nicht, ihre Probleme mit ihm persönlich zu besprechen.“ 

Die Klasse ist sich in dem Punkt einig: Mitglieder der WhatsApp-Gruppe mögen sich zusammen zwar stark fühlen. In Wirklichkeit sind sie aber viel zu feige und schwach, um ihre Probleme mit Tom persönlich zu klären. Warum sollten sich sonst auch mehrere Personen in einer Gruppe gegen eine andere Person zusammentun.

2. Tom ist nicht in der Gruppe, weiß aber von ihr und hat auch schon Bilder daraus gesehen. Wie fühlt sich Tom dabei?

„Tom ist traurig, weil über ihn gelästert wird und seine Privatsphäre durch Fotos von ihm verletzt wird.“ 

Wichtig ist es zu verstehen, dass man erst von Mobbing spricht, wenn sich die Vorfälle über einen längeren Zeitraum hinziehen. Deshalb haben wir auch langfristige Folgen thematisiert. Tom wird sich jeden Morgen sehr schlecht fühlen, wenn er in die Schule muss. Er fühlt sich in der Klasse sehr einsam, weil alle gegen ihn sind, vielleicht wird er krank, bekommt zum Beispiel Depressionen. Spätestens hier sollte allen klar sein, dass Mobbing kein Spaß, sondern ein ernsthaftes Problem ist.

3. Was sollte Stefan jetzt machen?

„Stefan sollte nicht in diese Gruppe gehen.“ 

„Stefan sollte Toms Freund werden und ihn beschützen. Außerdem sollte er Erwachsene wie zum Beispiel die Lehrerin, Eltern oder gar die Polizei informieren“ 

Die Teilnehmer waren sich einig, dass Stefan Tom zeigen sollte, dass er auf seiner Seite steht. So ist Tom nicht mehr allein und kann sich besser zur Wehr setzen. Sollten Stefan und Tom die Personen in der Gruppe nicht davon überzeugen können, das Mobben zu unterlassen, kann es sinnvoll sein, Erwachsene miteinzubeziehen, beispielsweise eine Lehrerin oder Eltern. Da Mobbing strafbar ist, könnte man sogar die Polizei einschalten.

Gerne wären wir beim Thema weiter in die Tiefe eingestiegen, doch war die Workshop-Zeit schnell vorüber. Weitere Infos zum Thema Cyber-Mobbing findet ihr auf unserer Webseite (hier und hier). Außerdem möchten wir betroffenen Schüler*innen die neue Webseite jugend.support empfehlen.